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Weltweit erste NOx-bindende Textilfassade in Betrieb genommen

Am Campus des Immo­bilien­unter­neh­mens ECE in Hamburg-Poppenbüttel wurde Anfang Februar 2020 im Beisein von Hamburgs Finanz­senator Dr. Andreas Dressel die weltweit erste stickoxid­bindende Textil­fassade eingeweiht. Die mit Nano­titan­oxid beschichtete Fassade ist an einem Bürohaus angebracht und bindet die schädlichen Stickoxide, die durch die Autoabgase am viel befahrenen „Ring 3“ die Luft verschmutzen.

Ziel des Pilotprojekts ist es, neue Möglichkeiten zur Entwicklung nachhaltiger Gebäudehüllen zu erproben und die innovative Textilfassade unter Praxisbedingungen zu testen. Dafür wird aufwendige digitale Messtechnik installiert und das Projekt von der RWTH Aachen wissenschaftlich begleitet.

Reduktion von Stickoxiden und CO2-Emissionen

Die Fassade bindet nicht nur Stickoxide, sondern trägt auch zur Verringerung der CO2-Emissionen des 22 Jahre alten ECE-Bürohauses bei: Studien haben nachgewiesen, dass die neuartige Gebäudehülle bis zu 78 Prozent der solaren Kühllasten von Gebäuden im Sommer reduzieren kann. Das wird erreicht, indem der erste Kontakt des Gebäudes mit energieintensiver Solarstrahlung im Außenraum stattfindet und nicht, wie bei konventionellen Bauten, an der eigentlichen Gebäudehülle. Zudem findet zwischen dem Textil und der Gebäudehülle ein natürlicher Wärmeabtrag mittels Konvektion statt, wodurch die Gebäudehülle passiv gekühlt wird.

Dabei ist die außenliegende Textilfassade für die Nutzer im Innenraum kaum wahrnehmbar – ähnlich dem Effekt der Fensterwerbung bei Linienbussen. Textilien wirken somit als Diffusor und sorgen für eine hohe Belichtung mit natürlichem Tageslicht im Innenraum. Textilfassaden können auch nachträglich an Gebäuden aller Nutzungsarten einfach installiert und getauscht werden. Dadurch können Gebäude im Nachhinein an die Veränderungen des Klimas angepasst werden.

Technologie ermöglicht positiven Beitrag zum Klimaschutz

„Nachhaltiges Handeln ist ein zentrales Unternehmensziel der ECE. Dazu zählt auch, offen für neue Technologien zu sein. Daher freuen wir uns, die erste stickoxidbindende Textilfassade Deutschlands an unserem Unternehmenscampus zu testen und mit dem Pilotprojekt neue Erkenntnisse für andere Standorte zu liefern. Das wäre ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz, der vor der eigenen Haustür beginnt“, so ECE-Geschäftsführer Andreas Mattner.

„Hamburg ist eine moderne Metropole und ein großer Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort in Deutschland. Stadt und Wirtschaft waren schon immer stark im Hinblick auf neue Entwicklungen – auch und gerade im Bereich des Umweltschutzes. Der Immobilienbereich bietet noch viel Potenzial bei der Erreichung der Klimaschutzziele. Die innovative NOx-Fassade kann dabei ein weiterer Baustein zur Verbesserung der Luftqualität und zum Klimaschutz in unserer Stadt werden“, sagte Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel.

Forschungsprojekt der RWTH Aachen

Das Projekt wird vom Institut für Textiltechnik Aachen (ITA) der RWTH Aachen University begleitet und ist Teil einer Forschungsarbeit von Architekt Jan Serode. Die Arbeit hat 2016 begonnen und ist in enger Zusammenarbeit mit Industrie und Medizin erfolgt.

Live-Monitoring ermöglicht aufwendige Messverfahren

Aufwendige Messverfahren mit digitaler Messtechnik an der Fassade ermöglicht ein Live-Monitoring, für das 24.000 Euro investiert wurden. Die Untersuchungsergebnisse sollen Aufschluss geben, welchen Beitrag die Fassade zur Steigerung der Luftqualität leistet. Gemessen werden sowohl die Auswirkungen auf den urbanen Raum als auch auf den Innenraum im Gebäude.

„Wir haben die luftreinigende Textilfassade gezielt für den Umwelt- und Gesundheitsschutz entwickelt. Gleichzeitig verbinden wir in der Fassade Energieeffizienz mit einem innovativen Design“, so Jan Serode von der RWTH Aachen.

Titandioxid in Nanogröße

Detlef Herrmann vom Anbieter des Nanotitandioxids, der inok GmbH: „Titandioxid ist unter anderem Bestandteil fast aller weißen Farben und wandelt nachgewiesenermaßen unter Lichteinfluss und Luftfeuchte schädliche Stickoxide in weniger problematisches Nitrat um. Je kleiner die Titandioxidpartikel und je intensiver die Berührung, desto größer die Wirkung. Der inok GmbH ist es gelungen, Titandioxid in Nanogröße von 7 Nanometern bereitzustellen, also dem 7-milliardstel Teil eines Meters. Das ist so winzig, dass man die Teilchen erst mit bloßem Auge sehen kann, wenn man einen Meter auf 260 Kilometer vergrößert. Das ist bereits die Größe mancher Moleküle. Ein neuartiges Bindemittel sorgt dafür, dass die Nanopartikel wie die Samen einer Erdbeere dauerhaft und sicher fixiert sind. Die Poren der Textilhülle und der Raum zwischen Textil und Haus sorgen für einen regen Luftaustausch, sodass ein kontinuierlicher Kontakt mit dem Nanotitandioxid gewährleistet ist und gute Testergebnisse zu erwarten sind“, so Detlef Herrmann vom Anbieter des Nanotitandioxids.

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  • Product-ID
    7659
  • Veröffentlicht am:
    12.02.2020
  • Geändert am:
    12.02.2020