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Europagebäude

Allgemeine Informationen

Baubeginn: Januar 2008
Fertigstellung: Januar 2017
Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Funktion / Nutzung: Gebäude der öffentlichen Verwaltung
Baustil: Postmodern

Lage / Ort

Lage: , ,
Adresse: Rue de la Loi / Wetstraat 155
Koordinaten: 50° 50' 33.00" N    4° 22' 50.99" E
Koordinaten auf einer Karte anzeigen

Technische Daten

Abmessungen

Bürofläche 27 163 m²
Bruttogeschossfläche (BGF) 53 815 m²
Anzahl der Stellplätze 145

Architektur des Euruopagebäudes

Aufgrund der Erweiterung der EU im Jahr 2014 hatte der Rat der Europäischen Union an seinem vorherigen Standort im Justus-Lipsius-Gebäude nicht ausreichend Büroflächen. Im Vertrag von Nizza wurde außerdem festgelegt, dass alle Sitzungen des Europäischen Rates in Brüssel abgehalten werden müssen, sodass der Platzmangel des Rates in Brüssel noch weiter verschärft wurde. Der belgische Staat bot daher dem Rat an, den Block A des Immobilienkomplexes „Résidence Palace“ abzutreten, um nach einer Renovierung and Anpassung der Gebäude dort den Sitz des Rates der Europäischen Union und des Europäischen Rates anzusiedeln.

Der Résidence Palace musste daher entsprechend angepasst werden, um dort die Sitzungen des Europäischen Rates (vier Mal im Jahr) und des Rates der Europäischen Union (zweimal wöchentlich) sowie anderer wichtiger Konferenzen zu ermöglichen. Am gleichen Standort sollten auch die Büros des Präsidenten des Europäischen Rates, weiterer hochrangige Funktionäre, sowie der Delegationen der Mitgliedsstaaten und des Generalsekretariats enthalten, aber auch Räume für die internationale Presse.

Mit diesen Kriterien lancierte der Rat der Europäischen Union am 4. August 2004 einen europäischen Architektenwettbewerb aus dem in der ersten Runde im Januar 2005 in Zusammenarbeit mit der belgischen Liegenschaftsverwaltung 25 Entwurfsteams ausgewählt. Eine zweite Runde des Wettbewerbs von Juni bis September 2005 endete mit sechs Finalisten. Das Team von Architekten und Ingenieuren unter Philippe Samy und Partner (Entwurf und Teamleitung) mit Studio Valle Progettazioni und Buro Happold wir am 2. September 2005 schließlich zum Sieger erklärt.

Der Résidence Palace wurde ursprünglich zwischen 1922 und 1927 auf die Initiative des Financiers Lucien Kaisin hin nach einem Entwurf des schweizerischen Architekten Michel Polak erbaut. In dem Gebäude befanden sich zuerst Luxuswohnungen in zentrumsnaher Lage. Das Art-Déco-Gebäude wurde nach dem zweiten Weltkrieg in Büros für den belgischen Stadt umgebaut.

In den 1960ern wird ein Anbau mit neuer Fassade hinter dem ursprünglichen Gebäude auf der Seite der Rue de la Loi errichtet, während Ende der achtziger Jahre ein Teil abgerissen wird, um für den Neubau des Justus-Lipsius-Gebäude Platz zu schaffen, wo der Rat vorher tagte. Die Originalfassaden sowie die Halle und Flure des Erdgeschosses befinden sich heute unter Denkmalschutz.

Aufgrund städtebaulicher Auflagen wurde das Gebäude nach Nordosten hin vergrößert mit zwei neuen Fassaden, die das „L“ der vorhandenen Bausubstanz in einen Würfel verwandelt. Der innere Bereich, der daraufhin zum vom städtischen Staub geschützten Atrium wird, dient als Haupteingang und beinhaltet auch das laternenförmige Gebäudeelement mit den Konferenzräumen.

Die Form des letzteren Elementes entstand aus der minimalen Raumanforderungen für jeden Saal angefangen mit dem Presseraum im ersten Obergeschoss bis hin zum kleinen Speisesaal für 50 Personen im elften Stock. Dazwischen befinden sich die größeren Konferenzräume im dritten, fünften (mit dem größten Saal für 250 Personen) und siebten Stock, sowie dem großen Speisesaal für offizielle Anlässe in der neunten Etage. Jede Etage dieses Volumenelementes hat einen elliptischen Grundriss mit jeweils anderen Abmessungen aber mit dem gleichen Mittelpunkt und gleicher Hauptachse. Die Konstruktion dieses Objekts ist strikt symmetrisch, auch wenn es nicht unbedingt den Anschein hat.

Die aus verschiedenen europäischen Ländern stammenden, alten hölzernen Fensterrahmen bestehende Außenseite der neuen doppelten Fassade dient insbesondere auch dem Schutz vor dem Straßenlärm und bildet gleichzeitig eine erste Lage für die Wärmeisolierung des Innenraums und des Atriums. Aufgrund der fortgeführten europäischen Empfehlung zur Einsparung von Energie werden viele Fenster in Europa in den nächsten Jahren energetisch besser Eigenschaften aufweisen. Millionen von alten Holzfensterrahmen werden daher gegen neue, besser dämmende Fenster mit Isolierglas ausgetauscht werden. Einige dieser Rahmen wurde in der Außenfassade nun wiederverwendet und stehen damit für Nachhaltigkeit. In diesem Kontext ist die Fassade außerdem eine sowohl praktische als auch philosophische Erklärung für die Wiederverwendung von traditionellen Bauteilen, die gleichzeitig auch die kulturelle Vielfalt in der Europäischen Union darstellen.

Der Rat hatte sich grundsätzlich ein Gebäude gewünscht, welches in jeder Hinsicht ein Beispiel für nachhaltiges Bauen darstellt. Dies wurde auch bei der Energieversorgung umgesetzt, denn die gesamte Dachfläche, auf dem neuen wie auch den bestehenden Gebäuden, wurde mit einer zusammenhängenden Photovoltaikanlage ausgestattet und damit das historische mit dem zukünftigen symbolisch verbindet.

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    Datenseite
  • Structure-ID
    20072791
  • Erstellt am
    31.03.2017
  • Geändert am
    25.07.2018